Tuesday? Really? Heut mal wieder pünktlich

its not a hobby

„Welche Gefühle verbindest Du mit dem Stricken und Häkeln oder allgemein mit dem Verarbeiten von Wolle?

Welche Bedeutung hat dieses Hobby für Dich?

Was würdest Du fühlen, denken, machen, wenn Du aus irgendwelchen Gründen plötzlich überhaupt nicht mehr mit Wolle und Nadeln arbeiten könntest oder dürftest?“

Vielen Dank an Lavendelmaschen für die heutige Frage!

 

Today we come to something completely different ;O): Thursday’s question about knitting and its’ odds and ends on www.daswollschaf.wordpress.com:

„What kind of feelings are connected with knitting, crocheting and fibreworking in general?

What does this hobby meant to you?

What would you think and do, if you weren’t able to work with fibres/wool any longer?“

Thanks to Lavendelmaschen for this question!

 

Ich fühle Wolle, rieche sie und nehme sie optisch auf. Das sind positive Sinneseindrücke, die mich meist glücklich machen. Es sei denn, die Farbe gefällt mir nicht oder die Wolle ist zu kratzig und stinkt- etwa nach Essig nach einem Färbevorgang. Dazu kommt, dass das Material Faser mich dazu anregt, Ideen der Weiterverarbeitung zu entwickeln, etwas, dass mich auch glücklich macht. Die Tätigkeit der Weiterverarbeitung ist meist meditativ. Beim Wolle Färben ist das eher nicht der Fall, da ist die Farblust anregend und belebend. Gleichzeitig sind  einige Prozesse wie Wolle waschen, kardieren und färben auch körperlich anstrengend und machen den Kopf dann schön leer, ähnlich wie Holzhacken oder Unkrautzupfen. Etwas herzustellen und nicht zu kaufen befriedigt meinen postapokalyptischen Überlebensdrang und macht mir das Gefühl mehr zu können, als mein Brot mit einer Schreibtischarbeit zu verdienen. Die Faserarbeit ist auch ein sozialer Bindungsstifter. Ich weiß nicht, wie viele Menschen ich mittlerweile über meine Faserarbeit kennen gelernt habe, die ich sonst nie getroffen hätte. Auch betrachte ich die Welt anders- zum Beispiel verreise ich mit mal in Gegenden, in die ich vorher nie  gereist wäre, weil von dort das Objekt der Begierde stammt…die Faser. Oder weil dort Kurse zur Faserverarbeitung angeboten werden. Oder weil ich dort ein Werkzeug erstehen kann, dass ich gerne hätte und ich dann einfach mal hinfahren und mir die Erzeugerwerkstatt angucken will.

I feel the touch, the smell and the look of fibres. These are sensations I like very much. I feel happen then- except the fibre is too scratchy or reeks of vinegar after dyeing, for example.

The Material makes me think about what I could do with it. To be productive and creative makes me feel good. Knitting and crocheting are meditative. Washing, carding and dyeing the wool are more excitatory actions and more bodily exhausting. This keeps the head clear and makes me feel good. I have the motivating post-apocalyptic illusion that I could do more to earn my living than my 9-5 job in German bureaucracy. I feel better when I know that I can produce useful things with my own hands. I feel kind of independent. I get to know many people through my fibreworking activities and travel to places I wouldn’t have gone weren’t there fibre-related interests: Maybe I visit a country because I want to learn more about the breeds there, or a toolmaker is settled there and I want to visit him/her. Or there are workshops I’m interested in.

Wenn mir dieses Hobby genommen würde, dann wäre das ein großer Verlust. Ich weiß, wie sich das anfühlt, denn meine große Leidenschaft, den Triathlon kann ich seit nunmehr 3 Jahren überhaupt nicht mehr ausüben, weil ich zum Knie-Krüppel diagnositziert wurde. Der langsame Weg in die Unbeweglichkeit ist mit Schmerzen und Depression verbunden, die ich nun erst langsam überwinde. Zumindest die Depression, die Schmerzen sind immer noch da, teilweise noch schlimmer als vor meiner OP. Ich habe Angst, dass mir das nochmal passiert. Ich wäre unglücklich, denn nicht mehr stricken zu können würde implizieren, dass auch andere „händische“ Hobbies nicht mehr infrage kämen- Cello spielen etwa. Deshalb habe ich vorgeschlagen, dass wir uns ein Hobby suchen, dass wir erstens gemeinsam und zweitens auch als blinde Rollstuhlfahrer betreiben können: Singen. Seit über einem Jahr haben wir uns dieses Geschenk gemacht und sind in einer wunderbaren Schola hier in Bonn. Und wenn mir das Stricken genommen würde, würde ich mich dann in meinem Leid durch den Gesang trösten- so gut es geht. Aber vorstellen mag ich mir das nicht. Wobei: Das ist ein Luxusproblem.

Loosing this could have the potential to destroy my happiness and my inner peace. I know how that feels because it happened to me three years ago: I had a training-accident and a knee sprain. Now I’m crippled and cannot walk without crouches. I am no longer able to do Triathlon, something that filled my days up to then. I do have bad pain all the time and there is no therapy that makes live less painful at the moment. I got a depression and only recover slowly with the help of my husband. And the help of the positive feelings fibreworking gives to me. Not to be able to knit any more might imply that other activities that one needs ones’ hands for could be impossible, too – playing cello for example. I fear this. And because I really fear this we decided to find something we could do sitting blind in a wheelchair, having rheumatic hands: Singing. For more than a year now we are members of the Bonner Münsterschola and are happy that we were allowed to stay. Would knitting turn out to be impossible, I would soothe my soul with singing then, I guess.

But I don’t want to imagine this.

It’s a high-end-pseudo-problem, though.

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One thought on “Tuesday? Really? Heut mal wieder pünktlich

  1. Lavendelmaschen

    Vielen Dank für Deine interessante Antwort auf meine Frage. In meinem Blog habe ich heute auch noch darauf geantwortet. Ich wünsche Dir noch eine schöne Woche!
    Liebe Grüße,
    Moni

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