My Tuesday Thing ;O)

image Vielen Dank an Sabine und das Wollschaf für die diesdienstägige Dienstagsfrage. Ist nämlich sowas, das mich nicht nur als Strickerin, sondern speziell als Frau bewegt. also ran an den Speck: „Es gibt wahrscheinlich keine unter uns, die zur Zeit nicht an einem, mehreren oder vielen gestrickten Weihnachtsgeschenken arbeitet. Aber wie sieht es andersherum aus? Wer von euch wünscht sich oder bekommt zu Weihnachten Geschenke, die (auch im weitesten Sinn) im Zusammenhang mit Stricken stehen? Was genau wünscht ihr euch?“

Also ich bin berüchtigt dafür, dass ich nicht für Dritte stricke. Seit 2005 schlage ich immer wieder jemanden, der mich nach was Gestricktem fragt und gönnerhaft „dann auch natürlich“ die Wolle bezahlen möchte vor, dass ich dem- oder derjenigen gerne die Grundmaschenarten beibringe und auch für Rückfragen zur Verfügung stehe. Ich finde es erstens degoutant, dass jemand meint, ich sei so verzweifelt auf der Suche nach einem Lebensinhalt, dass ich anderen was stricken müsste, um meine freie Zeit zu füllen. Zweitens finde ich es desavouierend, dass jemand meint, für die eigentliche Handarbeit sei in diesem Falle nix zu zahlen. Das ist bestimmt in den meisten Fällen gar nicht bös gemeint, aber idiotisch gedankenlos.  Ab davon mag ich Leuten, die einfach nur was Wertiges KONSUMIEREN wollen, ohne nach Hintergründen zu fragen, ned so gerne etwas von meiner Kunst in die Hand geben. Ich mach hier Handwerk, meine Ideen sind aber die Kunst dabei. Das will ich gewürdigt wissen, und das sehe ich bei so einer Geisteshaltung nicht. Ich leb hier keinen Erziehungsauftrag aus, den ich nicht habe, sondern verweigere mich einfach solchen Anfragen aus genanntem Grund. Und der erscheint mir schwerwiegend genug. DESHALB STRICKE ICH NIX für andere SCHON GAR NICHT FÜR WEIHNACHTEN.

Es gibt zwei Ausnahmen: Meinen Ehemann und meinen Vater. Mein Vater baut Maßmöbel vom Feinsten. Wir haben schon so manches Mal zusammen Ideen ausgebrütet und ich respektiere ihn für sein Wissen, sein Handwerk und seine  Kunstfertigkeit- und ich vergöttere seine Arbeit nun mal. Seit dem Moment, als mein Vater mich als Fadenarbeiterin angefangen hat, ernst zu nehmen und sich dafür zu interessieren, bekommt er auch was gestrickt. Ich weiß, dass er weiß, was dahinter steckt und ich weiß wie geil es ist, etwas Handgemachtes zu bekommen, dass jemand nur für mich gemacht hat und das es so nur einmal auf diesem Planeten gibt. (Von Multiversen reden wir mal ausnahmsweise nicht)
Mein Mann hat es gar nicht mit Handwerk. Er ist ein Intellektueller mit ausgesprochen gutem Geschmack und- das ist das entscheidend: Mit einem Riesenrespekt  vor Handwerk, vor Kunst, vor Musischem. Und er ist mein Compassionate, wenn es auf Fadenraubzug geht. Mein größter Fan, mein tapferster Unterstützer und derjenige, der immer mehr Platz im Arbeitzimmer für Werkstatterweiterungen rausrückt. Und der liebt den ersten komischen Schal von vor etlichen Jahren heiß und innig. Da waren wir noch gar kein Paar, da hatte er den schon von mir bekommen, weil ich ihn damals schon als einen besonderen Mann erkannt hatte. Romantisch? Nein, eher nicht, ich hab da kein Gen für. Aber ich konnte damals den Anblick seines komischen gekauften Schals nicht ertragen. Also eher pragmatisch-zugewandt. Diese Zwei werden also bestrickt, und zwar ab von jedwedem Anlass. Dieses Jahr trifft es sich aber, dass Papa Haus- und-Hofschreiner sich eine Art Hüttenschuhe gewünscht hat- und da er jetzt erst zum Vermessen der Plattlatschen kommen kann, weil ein Großauftrag ihn beschäftigt hat, ergibt sich daraus eine Weihnachtsstrickerei, denn ich hab die Feiertage frei und dann wollte ich die stricken. Und gleichzeitig ergab sich am letzten Wochenende, dass mein Mann sich Sockengarn ausgesucht hat, und deshalb werden auch für ihn nun in der Adventszeit Socken gestrickt. Das ist aber eher Zufall.  Insofern bin ich Also gar keine Weihnachtsstrickerin. Ich finde Deadlines im Privatleben auch so was von kacke, deshalb würde ich auch nie auf einen festen Termin hin was stricken wollen. Ich muss schon genug Sachen fristgemäß schaffen, das brauch ich nicht in meinem Hobby. Das lass ich mir bestimmt nicht versauen, indem ich mir da Druck selber aufbaue. Aber das muss auch jeder selber wissen, ich kenn genug Menschen, die es toll finden, Aufträge abzuarbeiten. Das hat was mit Ego zu tun. Ich bin da anders. Und bleibe es auch.

Es protestiert auch die Feministin in mir. Denn Handarbeiten sind vornehmlich Frauendomäne. Zumindest hier in der Gesellschaft in der mich bewege. Auch wenn mittlerweile es erfreulich viele  geoutete handarbeitende Männer gibt, die durchaus ihr eigenes Kreuz zu tragen haben. Und weil es Frauen- und vielmals eben auch noch Muttiarbeit ist, wird es einfach konsumiert. Über gerechte Bezahlung/ Entlohnung wird da nicht nachgedacht im Gegenteil, Frau soll sich auch noch geschmeichelt fühlen, dass Krethi und Plethi „mal eben“ was gestrickt bekommen möchte. Könnte ich jetzt noch länger ein Fähnchen drüber schwenken, spar ich mir aber- lest die entsprechenden Feminismus-Blogs wenn es Euch interessiert- wie gesagt, ich hab hier keinen Erziehungsauftrag. Dankbarste Empfänger sind glaube ich Menschen, die selber stricken oder in irgendeiner Form handarbeiten/handwerken. Aber es gibt auch Laien, die die Arbeit wirklich würdigen. Und deren Lächeln ist dann das, was StrickerInnen antreibt, könnte ich mir vorstellen.

Aber zurück zum Thema: Ich habe natürlich immer irgendwas, was so in der Werkstatt noch zu brauchen wäre. Fürs Material mache ich da nie eine Welle, seitdem ich nicht mehr rauche, ist immer genug  ungenutztes Kapital im laufenden Monat da, um sich was zu gönnen, da bin ich sehr privilegiert und schätze das sehr hoch. Ich spare aber immer an, da ich ein Werzeugfreak bin und gerne verschiedene Arbeitsgeräte habe. Und die gehen bei uns, die wir nicht zum Clan der Rockefellers gehören, nicht mal eben so. Und immer, wenn ich genug angespart habe, dann heißt es frei nach Herbert Grönemeyer: „ICH KAUUUUF MIR WAS, KAUFEN MACHT SOVIEL SPASS…“ aber nicht Weihnachten. Wir feiern Weihnukkah. Und das feiern wir mit schönen Ausflügen, Familientreffen und gutem Essen, Gesprächen und Zeit.- Okay, dsiese jahr eher etwas weniger zeit, weil wir in Sachen Hochzeit in der Endphase sind und sich die Dinge da ja naturgemäß von selbst beschleunigen…so viel Dope wie man da rauchen müsste, könnte man gar nciht anpflanzen…aber so grundsätzlich stimmt das mit der Zeit als gegenseitiges geschenk. Also Feiern wir auf unsere Art. Nicht mit Geschenken. Wir wollen ein bisschen weg vom jahreszeitlich vorgeschrieben Konsumterror. Logischerweise wird auch nix fürs Fadenzauber-Hobby geschenkt oder gewünscht. Aber ich bin mir bewusst, dass ich da wirklich privilegiert bin und ich bin da sehr, sehr dankbar und bescheiden drin, und warte auch gerne mal zwei Jahre auf ein ersehntes Spinnutensil ;O) mehr dazu in einem anderen Artikel…..

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