Tuesday.Again.Happy me!

image„Strickst oder häkelst du auch in der Öffentlichkeit (also in Cafés, Bus und Bahn, Büchereien, in der Uni, am Arbeitsplatz etc.)? Wenn ja, welche Erfahrungen hast du damit gemacht und wie reagiert die Umwelt darauf? Wurdest du schon angesprochen und was haben sie gesagt?“

Vielen Dank an Katharina für die heutige Frage!

Ich stricke, häkle und handspindele in der Öffentlichkeit. In Bahnen eher als in Bussen, denn während des Busfahrens wird mir schon mal schlecht, wenn ich stricke oder lese. Im Wartezimmer, im Café,in der Mittagspause, wenn wir mit dem Chor unterwegs sind und auf den Beginn der Veranstaltung warten. Ich hab immer einen Projektbeutel dabei. In der Regel ernte ich interessierte Blicke, ab und an einmal werde ich angesprochen. Ich würde sagen, in 3 von 10 Fällen, in denen ich stricke/häkele, werde ich angesprochen, dabei meist von denen, die selber stricken/häkeln oder mal gehandarbeitet haben. Beim Handspindeln sieht es anders aus, da werde ich eigentlich IMMER angesprochen und meist gefragt, was ich da denn überhaupt treibe. Da habe ich dann schon das Gefühl, dass ich terroristischer Umtriebe oder doch zumindest der Vorbereitung einer Sprengkapsel bezichtigt werde. Kinder sind da auch cooler als Ihre Eltern und sprechen mich in bekannter „Tante, was machst Du da?“- Manier an, während Mutti meist den Sprössling am Schlaffittchen grabscht und von dannen zieht, bevor das Böse in Handspinnerinentarnung die Seele ihres Kindes schwärzt. Vermutlich wecke ich in Müttern auch den Reflex: „Quatsch nicht, sonst frisst sie dich“ Ich bin da nicht böse drum, da ich grundsätzlich nicht gerne angesprochen werde, damit aber ganz gut leben kann. Wenn man mich in Ruhe lässt gut, wenn man mich höflich fragt, dann gebe ich sogar Antwort und wenn man ganz besonders entzückend ist, dann erkläre ich sogar genau, worum es geht.  Beim Stricken passiert es meist, dass ich so von der Seite angesprochen werde- und der Standard-Eröffnungszug ist in 9 von 10 Fällen „ Häkeln Sie oder stricken Sie da?“ Wenn diese Einleitung fällt, schweige ich meist und lächele nur ein Weilchen nichtssagend, denn ich weiß, es kommt die Ergänzung:“ Ich konnte das noch nie auseinanderhalten“. Meist antworte ich dann zwar höflich aber mit einer gekräuselten Oberlippe, so dass ganz klar ist, dass ich mich nicht mit AmateurInnen abgebe. Ich brauch niemanden, der mich beim Maschenzählen zutextet. Wenn jemand neben mir ein Buch oder eine Zeitung in der Hand hält frage ich ja auch nicht: „Lesen oder schreiben Sie da, das konnte ich noch nie auseinander halten“…ich käme gar nicht auf die Idee, dass der- oder diejenige angesprochen werden will, da  die Person ja nun mal offensichtlich beschäftigt ist.  Mein Plan, Unterhaltungen zu vermeiden geht auch meist auf. Nur die besonders hartnäckigen Exemplare werden dann tatsächlich mit Mehrwortsätzen bedacht. Ich weiß Engagement im Angesicht aussichtsloser Unterfangen zu würdigen und belohne freundlich vorgebrachtes Halbwissen. Richtig Spaß machen mir Kinder, die es echt wissen wollen. Richtig auf den Keks gehen mir sporadische Papis, die ihren pädagogischen Mehrwert an mir  und meinem Handwerk abarbeiten wollen und vollmundig ihrem Nachwuchs die Technik des Stäbchenhäkelns erläutern, während sie vielsagend auf mich deuten, die ich gerade an einer Ajourmustersocke stricke.  Auch genial sind Unterhaltungen mit passionierten HandarbeiterInnen, diese Spontankontakte liebe ich. Und da stelle ich dann auch das Klugscheißen ein, denn ich bin immer an ehrlich zugewandtem Austausch interessiert. Aber diese Gelegenheiten sind der normalen Öffentlichkeit eher selten, also außerhalb von Handarbeitsmessen und ähnlichen Veranstaltungen. Ignoranz und Dummheit prägen unsere Gesellschaft leider auf vielerlei Art, so auch im Umgang miteinander und der Grenzüberschreitung im Alltag. Nicht jeder, der sich ungewöhnlich verhält, will auch darauf angesprochen und hingewiesen werden. Mir würde es reichen, wenn es schweigend zur Kenntnis genommen wird. Aber selbst das muss ich nicht haben. Ich bin gerne verquer und seltsam. Und wenn ich dann in Blogartikeln lese, dass sich handarbeitende Menschen tatsächlich anfeinden lassen müssen, dann kann ich da nur den Kopf schütteln. Wäre ich Darwinist, würde ich sagen: Okay, nicht lang fackeln, Maul stopfen und der Dummheit aufs Haupt schlagen, nur so bekommt man das auch auf  lange Sicht aus der Fortpflanzung getilgt. Aber geht natürlich nicht, denn ich bin leider humanistisch gebildet. Also ich werde, wenn ich mal angegiftet werde entweder antworten: 

„Na sein se ma froh, dass ich hier keine Popel durch die Bahn flitsche“

 Oder

„ Wissen Sie, dass aufgrund Ihrer abschätzigen Bemerkung jetzt 100 kleine Kätzchen tot umfallen?“

Aber ich habe noch nie so ein Negativ-Input bekommen. Bei mir ist es wirklich eher das Problem, dass es mich nervt, darauf angesprochen zu werden. Aber ich lebe lieber damit, als nur Zuhause handzuarbeiten. Denn besser als ne Kippe an der Bushaltestelle zu rauchen ist es doch, den vermaledeiten Schal endlich fertig zu bekommen, gell?

Ich wüsste auch mal gerne, wie es wohl wären, wenn ich so einen Headset-inderFußgängerzone- Mobiltelefonierer antippe und frage „ Entschuldigen Sie, was machen Sie da ist das Telefonieren oder führen Sie ein Selbstgespräch, ich konnte das noch nie auseinanderhalten? „…also ich mein….

 

Advertisements

2 thoughts on “Tuesday.Again.Happy me!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s