Einfach mal entspannt Christ sein…

Wieder einmal hebt sie ihr häßliches Gesicht: Die typisch deutsche Unentspanntheit. Diesmal auch noch zu einem Thema, bei dem mensch das eigentlich gar nicht erwartet hätte: St. Martin. In einer Kita wurde angedacht, den St. Martinsumzug „Sonne-Mond- Und-Sterne-Fest“ zu nennen. Man höre und staune ob der Begründung: Aus politischer Korrektheit. Es könne sich jemand mit Migrationshintergrund diskriminiert fühlen.

Da fällt mir erstens ein: Und was ist mit Karneval und Fassenet? Müssen wir das jetzt auch abkoppeln und umbenennen, damit unsere MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund sich beim Kammellenfangen nicht diskriminiert fühlen? Tun Sie das überhaupt?

( Nicht das Sammeln- sich diskriminiert fühlen)


Da fällt mir zweitens ein: Wie soll sich jemand durch einen Umzug diskiminiert fühlen, der eine der Grundtugenden der gesamten Menschheit( die zugegebenermaßem auch von der Gesamtheit der Menscheit gerne mit Füßen getreten wird) feiert: Die Barmherzigkeit?

Und vor allem: wieso ist es in Ordnung, das Bayramfest in Schulen und Stadtteilen zu feiern UND AUCH SO ZU NENNEN, aber St. Martin nicht? Ich als Mitglied einer religiösen Minderheit hier in Deutschland freue mich immer über das Hanuka-Kerzenanzünden in Köln und genauso freue ich mich über den Martinsumzug und über die Feierlichkeiten zum Fastenbrechen. Find ich toll, in einem der wenigen Länder zu leben, wo das friedlich und freudig geht. „Du siehst und freust Dich über meinen Glauben und mich sehr und freu mich über Deinen.“

Und dann stellt sich mir die wirkliche Frage: Worum geht es wirklich?

Die Eltern von Ahmed und Djamila gehen genauso zum Karnevalsumzug und zum Laternenbasteln wie die Muttis und Papis von Cornelius und Katharina. Sie freuen sich, dass es in dem Land, dass ihnen nun schon so lange eine Heimat geworden ist, so schöne besinnliche Feste gibt, die Menschlichkeit und Miteinander feiern. Da gehört zum Beispiel Weihnachten dazu, dass weder von Muslimen noch von Juden abgelehnt wird, egal, welche Lehre und welche Institution dahinter steckt. Denn genau wie bei der Erinnerung an den heiligen, Martin geht es bei den christlichen Festen um Gemeinsamkeiten, Liebe und Menschenwürde.

Ein Lichterfest zu feiern ist auch ne prima Idee, zu unserer Entwicklungsgeschichte gehört ja auch das Samhainfest, das findet aber früher im Jahr als St. Martin statt, da könnten ehrgeizige PädagogINNEN noch ein wenig Arbeit reinstecken und die Zsammenhänge zwischen Halloween und Samhain herausarbeiten in ihren politisch korrekten Kitas. Das wäre dann schon ein der frühkindlichen Entwicklung angepasster Ansatz der vergleichenden Kulturwissenschaft. Und nicht der ausgemachte Schwachsinn, der sich da jetzt gerade Bahn bricht.

Bei allem Respekt: Jetzt wird gerade die katholische Kirche ( nicht zu unrecht) ins Visier genommen und zwar auf eine ganz feige Weise: Anstatt gegen die Institution und ihre Verfehlungen klagen, werden Pseudoinfragestellungen wichtiger, prägender ( nicht nur christlicher) Inhalte vorgenommen. Es ist leichter, einen Umzug umzubenennen, als sich vor die Bischofskonferenz zu stellen und gegen Pädophilie und Verschwendungssucht zu demonstrieren. Und dann werden auch noch die armen „Andersgläubigen“ als Grund dafür vorgeschoben. Wie perfide kann mensch sein?  Gesagt sei aber auch: So sehr ich das auch kritisiere, gibt es keinen Grund, die MitarbeiterInnen dieser (oder jeder anderen ) Kita zu bedrohen ( der Artikel in der Süddeutschen erwähnt dies und ich fühle mich an Hexenverfolgungen erinnert)- das ist nämlich genau die gleiche Unkultur wie das Verhalten derer, die zweitausend Jahre religiöse Kulturgeschichte mitmal als mögliche Form der Diskriminierung an den Pranger stellen. Obwohl genau an diesen Pranger ganz andere Verfehlungen gehören als ein Martinsumzug oder eine etwas unausgegorene Progressivität.

Ich hab mich noch nie durch Weihnachten oder St. Martin diskriminiert gefühlt. Just for the record.

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5 thoughts on “Einfach mal entspannt Christ sein…

    • fadenwerkerin

      Liebe Smoky72: Danke für Deinen Kommentar und ich muss sagen, obwohl es mich nicht akut betrifft, beschäftigt es mich. In was für einer Gesellschaft will ich leben?
      Was war es denn bei Dir Bizarres?

      • smoky72

        Die Erinnerung an eine Begebenheit, die meine Mutter mir mal erzählte: Als sie Kind war (in Hamburg aufgewachsen), gingen die Kinder am Silvester-Abend von Tür zu Tür und baten um Süßigkeiten. Das nannte sich „Rummelpottlaufen“. In den 60er oder 70er Jahren wurde es abgeschafft, weil „mein Kind nicht betteln soll“. Und was passiert nun am 31. Oktober? Genau das gleiche, nur nennt es sich „Halloween“ und kommt aus Amerika. Das empfinde ich auch als ziemlich …. hirnverbrannt. Völlig egal, ob Rummelpottlaufen oder Halloween, den Kindern macht es einen Heidenspaß und ist für sie kein Betteln. Und al sich dieses Jahr Halloween mit meinen beiden Zwergen losmarschiert bin, hatte ich auch einen Riesenspaß – genauso wie die anderen Mütter und die Menschen, die die Türen öffneten und sich an den vielen tollen Kostümen freuten. Anderes Beispiel: Dieses ewige „liebe Genossinnen und Genossen“ und „Leserinnen und Leser“ usw. usf. … In meinen Augen ist das unnötig und wird vielerorts schlicht und ergreifend übertrieben. Man mag es anders sehen, es ist nur meine Meinung, und vielleicht steh ich damit allein. Du siehst, bei mir ist es weniger etwas persönliches, als viel mehr inzwischen allgemein gültiges, was mir gegen den Strich geht. Denn man/frau 😉 kann alles übertreiben, auch die political correctness. Und im Übertreiben sind wir Deutschen wohl Weltmeister 😉

      • fadenwerkerin

        Das Beispiel höre ich nicht zum ersten Mal…. ist aber auch fragwürdig- Streiche Spielen als „Betteln“ zu sehen- ich meine, die Weihnachtssinger bekommen ja auch nen Schnaps oder Kekse- ist das dann auch Betteln?
        Politische Korrektheit finde ich gut, auch den sorgfältigen Umgang mit Sprache. Das von mir angesprochene Beispiel hat jedoch mit der Infragestellung zu tun, ob hier tatsächlich im Bestreben um politisch korrekte Alltagsgestaltung eine Diskussion losgetreten wurde, die zu unnötigen Polemisierungen in ALLEN Medien führt.

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