„Was sagt eigentlich Dein Mann dazu?“

– werd ich nicht gerade selten gefragt, wenn ich von meinen Projekten und Unternehmungen berichte.image Früher hätt mich das aufgeregt…was mein Mann mir mein Hobby zu erlauben? Wie kommt der Frager / die Fragerin darauf? Heut denk ich mir mein Teil und kann mir lebhaft vorstellen, wie entspannt diese Menschen ihre Familienwochenenden gestalten. Ich kenne die Partnerinnen und Partner, die sichgegenseitig mit Einkaufen und Putzen den Samstag stundenplanmäßig zuballern, damit man noch schnell den Garten machen kann bevor die Sportschau anfängt. Ich kenne auch die Partnerinnen und Partner, denen freitags im Büro schon vor dem samstäglichen Baumarktbesuch graut, weil dieser stundenlangen Dachbalkenauflatten und Bodenfliesenverlegen auf geheiß von Ute oder Peter nach sich zieht, obwohl doch gerade erst alles renoviert wurde. Und dann kann man am Sonntag noch nicht mal seinen Hexenschuss kurieren, weil Trödelmarkt in Dingsibumsi ist. “ Man muss ja auch mal zusammen was machen“…ahja. Oder „da würde der Peter sich ja bedanken, wenn die Ute den ganzen Tag auf so einem Spinntreffen oder Wollfestival wär“…ja echt? ich hab manchmal das Gefühl, dass Ute ganz gut ohne „mal was zusammen machen“ auf der Couch sitzen und Mensch sein könnte und genauso, dass Peter sich auf einen utelosen Tag freuen würde, an dem er sich sicher vor Handwerksattacken weiß, weil die Gutestete auf dem Wollfestival ist. Da wäre es ihm auch egal, wenn der Sonntagsbraten ausfällt.imageErstens:In Partnerschaften sollten die meisten Dinge, die die gemeinsame Zeit und Planung betreffen, besprochen werden, finde ich. Gleichzeitig leben da zwei verschiedene Menschen unter einem Dach und wollen trotzdem sie Teil eines „wir“ sind, auch durchaus ihre „Ich-Bereiche“ haben. Ohne sich zu rechtfertigen.Und genauso, wie ich meinem Mann einen großen Freiraum lasse, da er schon beruflich genug fremdbestimmt arbeiten muss, genauso funktioniert das auch umgekehrt. Wir teilen das Hobby des Radrennsports miteinander ( but we are strictly fair weather drivers) und singen in der Schola. Insofern haben wir schon mehr gemeinsame Hobbies, als die meisten Paare, die wir kennen. Mein Mann weiß sich durchaus zu beschäftigen und ist nicht darauf angewiesen, bespaßt zu werden, mit Aufträgen à la „ Leg doch endlich mal die Fliesen auf der Terasse“ oder „ lass uns mal in den Baumarkt fahren und Blumen kaufen“. Wir haben beide Berufe, in denen wir stark von Aussen angefragt werden und sind beide dann auch mal gerne nicht in der Situation, etwas abstimmen zu müssen- und uns darauf verlassen zu können, dass der andere trotzdem zufrieden vor sich hin pröttelt.  Ich muss also genau sowenig rechtfertigen, warum ich phasenweise in meiner Wollwerkstatt verschwinde und erst zum Abendbrot wieder auftauche, wie mein Mann erklären muss, warum einen ganzen Sonntag lang diverse Zeitungen lesen und sich nicht rasieren möchte um in irgendeinem Kuhdorf in der Eifel nach einer Stadtbesichtigung ein Stück Torte zu essen. image

Zweitens: In unserem speziellen Fall bedeutet meine Hingabe an meine Faserverrücktheit nicht, dass wir stundenlang schweigend in verschiedenenen Flügeln unseres Landsitzes verbringen und der Butler eine Stunde vor dem Abendessen die Haushaltsmitglieder zu Tisch rufen muss weil Mylady im Atelier weilt und der Sire in der Bibliothek. Nun, da auch gerade eine Phase des nicht mehr ganz so warmen, ganz so trockenen und damit auch nicht mehr ganz so outdoorlastigen Wetters anbricht, verkrümeln wir uns gerne in unser Zuhause und …lesen. Oder schreiben. Oder singen, stricken, spinnen und und und….. Und auch wenn Göga seinen Schreibtisch im Arbeitszimmer hat, und dort gerne Radrennen guckt oder Radio hört, so finden sich doch nach und nach alle im Spinnzimmer ein, da es dort für alle Haushaltsangehörigen Polstermöbel gibt und bei Kerzenschein ( immer begleitet von meiner Handarbeitsbeleuchtung)image und dem ein oder anderen Keks dann gewerkelt, gelesen, gequatscht, gekuschelt und allerlei Quality Time miteinander verbracht wird. Was mein Mann also dazu sagt?: „Mei, des war ein schönes Wochenende“- und ich nick zustimmend. Vielleicht liegt es an der Art unserer Hobbies: Wir bin unterwegs und auch ständig mit irgendwas beschäftigt. Trotzdem ist es integrativ. Freizeit kann durchaus eine demokratische Angelegenheit sein, OHNE das man sich entfremdet.image

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