Fadenwerk goes off topic oder: Entschuldigung, ich bin KEIN Öko

Wer strickt, der gerät spätestens dann ins Visier leicht zu beunruhigender Mitmenschen, wenn  das Stricken nicht nur am heimischen Herd stattfindet, sondern das Gewerk auch mit in Restauraunts und Cafès genommen wird. Ich für meinen Teil nehme auch schon mal eine Handspindel mit, wenn ich keine Lust auf Stricken habe. Ich hab mir sogar bei einem Vortrag bei Frau Schwarzer von ebendieser anhörendürfen, dass SIE Handarbeiten und handarbeitende Frauen stets als rückwärtsgewandt, ökoromantisierend empfunden habe. Kam bei ihr im Ekelfaktor gleich nach den Autonomen Stillgruppen, wenn ich das richtig verstanden habe. Seinerzeit war mir das peinlich, weil alle im Auditorium mich anglotzen. Aber ich hab damals schon gewußt, dass Frau Schwarzer nicht nicht alles richtig einordnet und war deshalb nicht weiter beunruhigt. Wenn ich erzähle, dass ich Wolle wasche, kardiere und verspinne, dann wird meist ein ökologisch-verbrämtes Aussteiger-Ideal vermutet. Selten kommt jemand drauf, dass frau einfach keine Lust hat, immer das zu konsumieren, was ihr vorgesetzt wird- selbst zu färben ist nämlich nicht  wirklich öklogisch und schon gar nicht ökonomisch, wenn man Energie- Wasser und Ressourcenaufwand insgesamt betrachtet.

Ich erzähl es trotzdem und wenn ich es nicht erzähle, dann verbeitet mein Mann die frohe Kunde- der findet das nämlich geil. Nun habe ich ein Experiment in Sachen Joghurt selber machen gewagt, einfach nur aus Neugierde und weil mir die Sojajoghurts mit zu viel Konservierungsstoffen drin irgendwie auf die Klicker gehen. sojaversucheinsIch kann es nicht genau sagen, warum, denn ich bin dankenswerterweise von Allergien soweit verschont. Und die Naturjoghurte aus Kuhmilch ( ja ich steh auf Milchprodukte und nein, ich esse Soja nur da, wo es mir schmeckt und nicht da, wo es mir eine Ideologie gebietet) Also ab ins Reformhaus und nach Ferment gefragt, denn ich wollte beides probieren: Mit Ferment und zuerst mit Joghurt selber weiter züchten aus einer gekauften Packung ( ja, aus dem Biomarkt, ich geh da gerne einkaufen, aber nicht alles wird dort eingekauft weil ich nämlich nicht Krösus bin). Kaum komm ich um die Ecke gefegt, treffe ich auf eine Nachbarin die mich fragt, was ich denn so Schönes eingekauft hätte. Ob meiner wahrheitsgemäßen Antwort zieht sie die Augenbraue hoch und fragt: „Sind Sie jetzt auf dem Biotrip? Ich mein, Sie machen doch auch so mit Wolle, nicht?“ (und es schwang mit : „Und Sie haben auch kein Auto nicht und keinen Flachbildschirmfernseher und kein Handy, gell?“ Die Gute ist Informationensammeln besser als die CIA). Ich war versucht zu antworten “ Nein wissen Sie, ich leide seit Monaten an einem seltsam nässenden Hautausschlag und nachdem nun das frische Blut geschlachteter Kälber nix geholfen hat, dachte ich, ich versuche es mal mit Joghurtferment“- ich hab dann natürlich NIX dergleichen von mir gegeben sondern nur darauf verwiesen, dass ich kein Öko sei und nicht gedenke, demnächst im Innenhof Misteln und Hanf zu pflanzen, sondern einfach nur mal probieren wollte, wie sowas denn schmeckt, wenn es nicht industriell perfekt hergestellt ist. Ich finde es nicht schlimm, hinterfragt zu werden- nur wenn der Blick meines Gegenübers dann schon ausdrückt, dass mein Verhalten Veranlassung genug sei, die entsprechende Kopfdoktoren zu benachrichtigen und ich mich dann dazu genötigt fühle, mein durchaus cooles Verhalten und meine Experimentierfreude nach Außen zu verteidigen, dann werd ich zickig. Früher hab ich dann mit unverschämten Antworten und einem bezaubernden Lächeln reagiert. Heute lächele ich nur noch nachsichtig, antworte sachlich und schreibe dann einen zynischen Blogartikel- Schreiben ist ja bekanntermaßen Therapie und so muss ich nicht immer 120 Euronen pro 50 Minuten vershrinken- da kann man ne Menge Joghurtferment für kaufen *zwinker* Also ich habe dann auch noch einen kleinen Erfahrungsbericht: Das hat geklappt, der Joghurt ist noch etwas flüssiger als der gekaufte, ich gedenke das mit einem besseren Auflösen der zugefügten Speisestärke zu kompensieren, dort, wo sie sich abgesetzt hat, ist er nämlich sehr gut fest.Sojaversucheinsdiezweite Aber der Geschmack des Sojajoghis ist super, den mampf ich jetzt erst mal auf und wenn die Gläschen leer sind, dann mach ich das Ganze mit Kuhmilch und Schafsjoghurt und danach kommt die Versuchsreihe mit Ferment. Ich werde auch noch ein alternatives Andickungsmittel probieren, so Agaragar oder so. Hier habe ich 1 L Sojadrink mit 4 Eßlöffeln Speisestärke von REWE ( Maisstärke zum Backen) vermengt, das ganze auf die Herdplatte gestellt und mittels Speisenthermometer auf 40 Grad erhitzt. Den Backofen habe ich auf 50 Grad vorgeheizt. Als der Sojadrink die 40 Grad hatte, habe ich den Sojajoghurt ( kleiner Becher) reingerührt und dann die Pampe in die Gläschen gepackt, die in eine Auflaufform gestellt und diese wiederum in den vorgeheizten Backofen gestellt, der dann ausgeschaltet wird. Das Ganze habe ich dann 6 Stunden drin ruhen lassen und dabei einmal noch ca nach 3 Stunden den Backofen für 50 Minuten auf 50 Grad gestellt- also quasi noch einmal auf 50 Grad vorgeheizt. Das hat geklappt. Ich will nämlich einen Joghurtbereiter, das find ich blöd, immer so Geräte rumstehen haben- und Strom wird so oder so verbraucht. Wenn ich das wirlich öfter mache, dann werde ich ausprobieren, ob man die Wärme mit einer Kühlkiste über nacht halten kann ( es gab dorch früher dieses blauen Kisten, die man mit so Kälteakkus geladen hat um die Cola im Freibad kalt zu halten….das müsste doch auch umgekehrt mit Wärme gehen, hab ich gedacht)- oder ich bau mir eine kleine Kochkiste, wie sie in den Weltkriegen in Nutzung waren. Aber erstmal ausprobieren mit den vorhandenen Mitteln.Die Einmachgläser kann man schön Spülen, die Hitze macht denen nix und außedem schaut es nett aus, wie ich find.

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