Der Tag an dem das Wasser kam

Am Donnerstag, den 20.06.2013 hat uns das Unwetter in Bonn erwischt. Kanaldeckel flogen meterhoch in die Luft, Straßenzüge und Unterführungen wurden zu Bächen, Wohnungen wurden von allen Seiten geflutet, die Kanalisation suchte sich ihren
Weg- so auch bei uns.

Wäre ich nicht krankheitsbeding wegen einer Erkältung Zuhause gewesen und hätte unser Apotheker nicht sofort hilfreich mit das Einbrechen des Wassers vermindert, so wäre alles noch viel schlimmer gekommen. So wurde unsere Toilette und unsere Duschtasse zum Hydranten und innerhalb von 10 Minuten lief unsere Souterrainwohnung ca. knöchelhoch mit Wasser voll, da war nix zu wollen, der Wasserdruck war unglaublich, so etwas habe ich noch nie erlebt. Scheiße schwamm durch unser Refugium und wir haben noch Glück gehabt, es hat nur zwei Drittel der Wohnung erwischt und es stand nur knöchelhoch. Feuerwehr und Stadt waren ( und sind) tagelang nicht zu erreichen, wir persönlich fühlen uns von offiziellen Stellen total im Stich gelassen, Leute, das war suboptimal, wir hätten niemanden erreicht. Aber wir haben Mitmenschen , die uns geholfen haben- sofort, ungefragt, einfach da-seiend. Wir danken Euch, Ihr seid wunderbar, ohne Euch wäre ich engültig zusammengebrochen- so gab mir das Kraft, zu beißen, zu schippen und trotz aller Weinerei alles zu tun, was zu tun ist.

Fazit: Herr Löwe und die Katzen sind wohlauf, das Wasser ist raus, kein Stromschaden, da ich in meiner fassungslosen Panik wenigstens EINEN klaren Gedanken hatte und die Hauptsicherung rausgedreht habe. Mein Mann ist der Fels in der Brandung, ich bin das hyperaktive Opossum. Seit gestern 17 Uhr ist alles auf relativem Normalnull, die Bautrockner laufen, Herr Löwe hat die Sichtung des noch zu rettenden Mobiliars beendet und während er schon wieder aufbaute , habe ich die letzten Liter Sagrotan verrfeudelt. Jetzt beginnt das große Warten auf die Handwerker, die Überlegungen, wie man deratige Wasserausweitungen besser frühzeitig dämmen könnte- und das Verhandeln mit den betroffenen Versicherungen. Morgen die Rückkehr ins Büro und hoffentlich dann auch peu à peu der Abschied vom posttraumatischen Wasserrauschen, dass ich seit Donnerstag vorzugsweise nachts oder dann höre, wenn ich mich mal 5 Minuten ruhig in irgendeine Ecke setze.

Böse Schelte richte ich an die Ordnungshüter- die kamen nämlich nicht um zu helfen, sondern um uns anzumachen, wie wir es denn wagen könnten, unsere nassen Sachen auf die Straße zu räumen- und das obwhol genau dass die Ansage auf dem Anrufbeantworterband von BonnOrange war, die erst 48 Stunden gar nicht erreichbar waren und dann mitteilten, sie seien überlastet, man solle seinen Wasserschaden/ bzw. die durch das Wasser beschädigten Hausratsgegenstände auf die Straße stellen, da Sonderabfuhren die Quartiers abfahren. Und ich hab unsere Sachen ordentlich geschichtet, da gab es nix zu meckern. So geht man nicht mit Leuten um. Geht gar nicht. Ich hoffe, dass die anderen Betroffenen in Bonn, von denen es viele viel schlimmer als uns erwischt hat, besseren Zuspruch von öffentlicher Seite erhielten und noch erhalten werden.

Advertisements

5 thoughts on “Der Tag an dem das Wasser kam

  1. knightlyart

    Ich kann soooo mit Dir fühlen! Vor 5 Jahren ist mir das Gleiche passiert. Erdgeschosswohnung, Versicherung, Handwerker etc. Noch Heute, wenn es doll regnet, stehe ich panisch vor der Toilette. Aber die Nachbarschaftshilfe war enorm!!!
    Ich wünsche Dir von Herzen viel Kraft!
    Liebe Grüße aus Hamburg, Kirsten

    • fibreguerilla

      ja, der Schock sitzt auch heute noch so tief, dass mir beim Gedanken an das aus der Toilettenschüssel schießende Wasser die Tränen kommen.

    • fadenwerkerin

      Liebe Kirsten, ich feue mich immer, wenn Du mein Blog liest- aber ich habe seit Wochen versucht, Dich zu finden, hast Du auch einen Blog? ich kann Digh- beim besten Willen nicht zuordnen. Ich lande immer in Llarp-Foren, in denen ich dann die Orientierung verliere *grins* Schick mir doch das Link zu Deinem Blog, ich würde mich wirklich sehr freuen: fadenwerkerin@quantentunnel.de
      Liebe Grüße
      Daniela

  2. strickspleen

    Oje, das stell‘ ich mir ganz schlimm vor! Hab schon 2x ganz direkt am Rhein gewohnt und bisher mit Wasser echt Glück gehabt. Bin aber auch an den Elbehochwassern vorbeigefahren und war echt schockiert. Man kann sich das ja gar nicht vorstellen, selbst Fernsehbilder sind anders als live. Gruß!

    • fadenwerkerin

      Hier sind die Hochwasser, die durch den Fluss verursacht werden relativ gemildert, das hat mit den Poldern zu tun, aber Bonns Kanalisation scheint nun so langsam zu kapitulieren.Die Liter,engen nehmen zu, die Anzahl der angeschlossenen Haushalte auch. gewartet wird nicht so, wie es soll, denn die Gelder sind ja knapp. also ist das Resultat, dass viele BonnerInnen, die sich sicher wähnten, nun trotz Gewässerverschmutzung Wohnlage einfach drauf einrichten werden müssen, dass das jetzt die Regel wird.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s