The Spinner & The Happy Fisherman

oder was macht die Stadtspinnerin im Anglerbedarf-Laden?

Klaro, sie sorgt erst einmal für Verwirrung. Da steht sie nu, Stöckelschühchen, Hütchen auf ( iss  ja schließlich kalt im urbanen Dschungel) und Wimperklimper.

In den Regalreihen bärtige, einsilbige Männer, die das Angelgerät brummend begutachten und untereinander in einer Art geheimcodemäßgigen Grunz- und Nicksprache eloquent die Vor- und Nachteile des betroffenen Metallteils mit diversen Spulen und Zügen dran darzulegen.

Nachdem kurz die Blicke gehoben wurden und der erfahrene Anglerdedarfsladenbesucher eine erste Einschätzung der Lage vorgenommen hat ( „gehört nicht zu uns, kauft vielleicht ein Geschenk für einen Verwandten*die Betonung liegt auf dem maskulinum*- lass uns  mal besser in Deckung gehen, nachher fragt sie uns noch was“), verschwinden die Bartträger in dem Gewirr aus übermannshohen Stöcken und blinkenden Ködern, die frau auch prima als Modeschmuckbestandteile verarbeiten könnte.  Es herrscht tiefstes Schweigen. Von derlei Stille aufgescheucht verläßt die seltene Gattung allwissender Ladenbesitzer verwirrt die Deckung des in ständiger Umräumung befindlichen Warenlagers und kommt eilig an den Tresen, stutzt, als sie des Weibchens in Hut und Mantel gewahr wird und braucht drei Sekunden, bis der natürliche Verkaufsreflex einsetzt, leicht moduliert durch einen Fluchtabwehrreflex, der sich darin äußert, dass das Männchen zwar fragt“ Womit kann ich Ihnen helfen?“- dabei aber so glubschäugig aus der Wäsche guckt, als hinge es selbst an besagtem Köder und bemühe sich verzweifelt wie eine Bachforelle, frei zu kommen. Auch hat die Stimme einen gequälten Uunterton der Impliziert “ Wir führen keinen Lippenstift“.

Nun bin ich hart im Nehmen. Wenn ich unbedingt was kaufen will, lasse ich mich selten von unwilligem Verkaufspersonal abschrecken. Zudem ist dieses Exemplar auf eine  naturburschenmäßige Weise attraktiv, wenn frau Bärte mag. Ich mag sie nicht wirklich, weiß aber Muskelproportionen zu würdigen und bin in der Lage, meine Prioritäten anzupassen- ich will ihn ja nicht küssen, sondern nur angucken. Und Ihm etwas abkaufen von ich weiß dass er es hat und ich es brauche.
Also straffe ich mich ( was die Auggäpfel meiner Bachforelle nun gefährlich nahe an den Rand der Augenhöhle bringt), hole tief Luft und spreche betont langsam und deutlich , während ich strahlend lächle mein Begehr aus“ Ich suche einen Tiefenzähler“ DÄDÄÄÄÄÄ ich bin nicht nur ein erfreulicher Anblick Du Urmensch, ich kann auch Eure Sprache!!!!!
Köpfe gehen mit einem meinem Ruck in die Höhe, es setzt Gebrummel in meinem Rücken ein und der schöne, starke und vermutlich wasserdichte Bär vor mir schluckt und legt den Kopf schief. Schweigen. Mh. War das doch nicht der richtige Fachbegriff? Aber ich hatte doch Herrn Google gefragt. Also versuche ich es erneut, während mein Gegenüber ruhig abwartend vor mir steht und den Kopf schief legt. Erfahrene Redeseminarbesucherinnen wissen , dass das bedeutet: Der Typ nimmt Dich nicht ernst und will Dich vergackeiern.

Kann ich nicht leiden so eine Attitüde. Probates Mittel: Angriff der Killertitten. Also Knöpfe ich meinen Mantel auf ( iss ja schließlich warm hier in dem ganzen Testosteron-Hillbilly-Gemiefe, ziehe meinen Hut ab und schüttele mein Haar dabei ( leider ist es noch nicht wirklich lang, aber schütteln wie Sophia Loren kann ich auf alle Fälle- es geht ja um den Effèt). Der Zweimetermann vor mir nimmt Haltung an während seine erstaunlich blauen Augen sich zu  Schlitzen verengen und mich nun deutlich interessiert mustern, es erstirbt das Gebrummel in meinem Rücken- das gemeine Wald- und Wiesenmännchen ist mit Gucken meist schon so ausgelastet, das Reden dann halt eingestellt wird. Ich drehe mich einmal um meine eigene Achse, um mit vollem Körpereinsatz zu demonstrieren, dass mir WIRKLICH an diesem Tiefenmesser gelegen ist und rufe dann lockend “ Na ich meine so einen Rutenaufsatz ( hochgezogenen Augenbraue der Bachforelle, ob nun wegen meiner anglerischen oder anatomischen Versiertheit ist fraglich) mit dem man feststellen kann, wieviel Meter Angelschnur einem durchgelaufen sind“ Bei dem Grinsen, das ich gerade ernte bin ich dann doch froh, dass ich nicht eine Formulierung benutzt habe wie “ …einem durch die Hand gelaufen sind“ oder so.

Indiana Jones hat nun beschlossen, dass es mir wohl ernst ist und wuselt dientbeflissen los, ich ergehe ich in der genußvollen Betrachtung seines Gluteus Maximus‘ der in dieser Jeans wirklich recht gut zur Geltung kommt . Zwei Minuten Später halte ich das gute Stück ( also den Tiefenzähler) in der Hand und nun kommt auch der Text: “ Das geht bis 999 Meter, die Schnur legen Sie hier so und so ein – Pause, ein freundlich-schüchterner Blick- aber Sie brauchen den doch nicht zum Angeln, oder?“
Nun grinse ich zu ihm rauf, während er mich erwartungvoll anstarrt. Und sage
“ Doch…?“ und lasse unausgesprochen die Frage mitspielen “ Du Machoarsch glaubst wohl nur ein Kerl kann mit ner Rute umgehen, WAS?????

Das Gebrummel setzt wieder ein, ungläubig diesmal und die anderen Ladenbesucher pirschen sich in Kreisformation an der Tresen ran- erinnert verdächtig an Veloziraptoren Mir wird schlagartig klar: Angelnde Frauen haben Seltenheitswert. Und mir läuft ein leichter Schauder über den Rücken. Also füge ich eilig hinzu “ Nein, Scherz. Ich brauch das zum Spinnen.“
Während ich souverän den Geldbeutel zücke erkläre ich flugs, dass wir fleißigen Weibchen es müde sind, die Stranglängen per Hand auszuzählen und deshalb das Produkt unserer Schaffenskraft gerne durch die Mechanik auf die Hapsel laufen lassen um dann bis zu 999 Meter angezeigt zu bekommen.

Es wird wieder still, der große starke Häuptkling brummelt ( vermutllich ein “ habichsdochgewußt“) in seinen Bart und als er dann seinen nunmehr nicht mehr lauernden sondern eher enttäuschten Blick hebt sagt er:
“ Das macht dann 14,50″

Ich zahle, gehe begleitet von einem kollektiven Seufzen der Erleichterung, die Domäne dann wieder für sich zu haben hinaus und habe nun endlich das hier

Linecounter1Linecounter2Gesamtansichtich hab den Tiefenzähler einfach auf meine Lazykate geschnallt und lasse den Faden durchlufen, während ich das Garn auf den Niddy-Noddy- laufen lasse. Es funktioniert prima, nur aufgrund des Spulendurchmessers der Zählspule ist die Garndicke limitiert- ein Artyarn wird nicht so ohne Weiteres durchflutschen. Hier ist es ein Navajozwirn, 100g/ll165m, also schon relativ dick, so wie Filzgarn. der paßt noch gut durch.

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